Zum Inhalt springen

Blitzlesen: Wörter auf einen Blick lesen lernen

Beim Blitzlesen sieht ein Kind ein Wort oder eine Silbe nur ganz kurz und liest es laut vor. Dieser Ratgeber erklärt, warum das funktioniert, für welche Kinder es passt, wie lange Sie die Karten zeigen, welche Wörter in welcher Reihenfolge sinnvoll sind und was die Forschung zu Blitzlesen bei LRS und Legasthenie sagt.

Veröffentlicht
  • 15 Min. Lesezeit
  • 9 Quellen

Kurz gesagt

Was ist Blitzlesen?

Blitzlesen ist eine Leseübung aus der Grundschule: Ein Wort, eine Silbe oder ein kurzer Satz wird nur etwa ein bis zwei Sekunden gezeigt, auf einer Karte, an der Tafel oder am Bildschirm, und das Kind liest ihn sofort laut vor. Weil die Zeit zum Buchstabe-für-Buchstabe-Erlesen nicht reicht, übt das Kind, bekannte Wörter und Silben auf einen Blick zu erkennen. Das entlastet beim Lesen und macht es flüssiger. Blitzlesen funktioniert nur mit Wörtern, die das Kind schon richtig erlesen kann, und ersetzt nicht das Üben von Buchstaben, Lauten und Silben.

  • Gezeigt werden Silben, häufige Wörter oder kurze Sätze, meist für ein bis zwei Sekunden.
  • Ziel ist das automatische Wiedererkennen häufiger Wörter; die KMK-Bildungsstandards nennen das sichere Erkennen häufiger Wörter als Merkmal flüssigen Lesens.
  • Wörter werden im Gedächtnis über die Verbindung von Buchstaben und Lauten gespeichert, nicht als Umriss oder „Wortbild“.
  • In einer Salzburger Studie wurden langsame Leser bei 32 geübten Wörtern deutlich schneller, bei neuen Wörtern kaum.
  • Fünf bis zehn Minuten an den meisten Tagen mit wenigen neuen Karten bringen mehr als lange Sitzungen.

„Und“, „die“, „ist“, „nicht“: Diese kleinen Wörter stehen in fast jedem Satz, den ein Erstklässler liest. Ein Kind, das jedes davon jedes Mal neu zusammensetzt, kommt langsam voran und hat am Satzende den Anfang vergessen. Ein Kind, das sie auf einen Blick erkennt, hat seine Kraft frei für die schwierigen Wörter. Genau dafür gibt es das Blitzlesen.

Die Methode ist in deutschen Grundschulen weit verbreitet, mit Blitzlesekarten, Blitzlesepässen und Wortkarten an der Tafel. Was in den Materialien meist fehlt, ist die Anleitung: Welche Wörter zuerst? Wie lange zeigen? Was tun, wenn das Kind rät? Und hilft es bei LRS? Darum geht es hier, mit Wörterlisten zum direkten Üben.

Blitzlesen kurz erklärt: so läuft die Übung ab

Sie halten eine Karte hoch, zum Beispiel mit dem Wort „Haus“, und drehen sie nach etwa einer Sekunde wieder um. Ihr Kind sagt, was es gesehen hat. Richtig gelesen? Die Karte kommt auf den Stapel der gekonnten Wörter. Gezögert oder falsch? Sie zeigen das Wort noch einmal offen, Ihr Kind liest es in Ruhe, und die Karte kommt später wieder dran.

Das Entscheidende ist die kurze Zeit. Sie ist zu kurz, um das Wort Laut für Laut zu erlesen, aber lang genug, um ein bekanntes Wort zu erkennen. Damit verschiebt sich das Lesen vom mühsamen Zusammensetzen hin zum schnellen Abrufen aus dem Gedächtnis. Gezeigt werden können Silben (ma, lo, schu), einzelne Wörter, Wortgruppen („in den Garten“) oder kurze Sätze.

Was beim Blitzlesen gezeigt wird
EinheitBeispieleWofür
Silbenma, lo, sa, schu, ber, tenHäufige Bausteine langer Wörter schnell erkennen
Häufige kleine Wörterder, und, ist, nicht, mit, sieDie Wörter, die in fast jedem Satz vorkommen
InhaltswörterHaus, Schule, Kinder, sagteWortschatz des Lesebuchs und der Klasse
Wortgruppenauf dem Tisch, in die SchuleÜber das einzelne Wort hinaus lesen
Kurze SätzeDer Hund bellt. Ich bin müde.Ganze Sätze erfassen und verstehen

Warum Blitzlesen funktioniert und warum es kein „Wortbild“-Lernen ist

Oft heißt es, Kinder würden sich beim Blitzlesen das „Wortbild“ einprägen, also den Umriss eines Wortes wie ein Foto. So arbeitet das Gedächtnis beim Lesen aber nicht. Die Leseforschung zeigt, dass Wörter dauerhaft gespeichert werden, indem das Kind die Buchstabenfolge mit der Lautfolge verbindet. Die Psychologin Linnea Ehri nennt das orthographisches Mapping: Wer „Haus“ schon einige Male richtig erlesen hat, hat die Verbindung H-au-s zu /h/-/au/-/s/ abgelegt und kann das Wort dann blitzschnell abrufen.

Daraus folgt die wichtigste Regel für das Blitzlesen: Es festigt Wörter, die ein Kind schon erlesen kann. Es bringt ihm keine neuen Wörter bei. Jedes erfolgreiche Erlesen eines Wortes legt dessen Schreibweise ein Stück fester im Gedächtnis ab; der Leseforscher David Share hat das als Selbstlernmechanismus beschrieben. Blitzlesen sorgt dafür, dass diese Wörter danach auch schnell verfügbar sind.

Für den Unterricht ist das Ziel offiziell: Die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz nennen unter „flüssig lesen“ ausdrücklich, dass Kinder häufige Wörter weitgehend sicher erkennen und unbekannte Wörter in größeren Einheiten wie Silben erlesen. Genau diese beiden Dinge trainieren Wort- und Silben-Blitzlesen. Forschungsdatenbanken zu Kinderbüchern wie childLex zeigen zudem, dass gerade die kleinen Funktionswörter zu den häufigsten Wörtern in Texten für Kinder gehören, darum lohnen sie sich am meisten.

Für welche Kinder passt Blitzlesen und ab wann?

Blitzlesen passt, sobald ein Kind die Buchstaben kennt und einfache Wörter Laut für Laut zusammenziehen kann. In vielen Klassen ist das ab der zweiten Hälfte der ersten Klasse der Fall. Silben-Blitzlesen kann früher beginnen, sobald die ersten Buchstaben zu Silben verbunden werden. Nach oben gibt es keine feste Grenze: Auch in Klasse 3 und 4 hilft es Kindern, die noch sehr langsam lesen, und mit langen zusammengesetzten Wörtern bleibt es anspruchsvoll.

  • Gut geeignet: Ihr Kind liest Wörter meist richtig, aber stockend, und setzt auch bekannte Wörter jedes Mal neu zusammen.
  • Gut geeignet: Ihr Kind kennt ein Wort aus dem Lesebuch, liest es aber im nächsten Satz wieder langsam.
  • Noch nicht geeignet: Ihr Kind verwechselt noch viele Buchstaben oder kann einfache Wörter wie „Oma“ oder „Mut“ nicht erlesen. Dann zuerst Buchstaben, Laute und Silben üben.
  • Mit Vorsicht: Ihr Kind gerät unter Zeitdruck schnell in Stress. Dann längere Anzeigezeiten und keine Wettbewerbe.

Wenn Sie nicht sicher sind, wo Ihr Kind steht: Lassen Sie es fünf Wörter aus der passenden Liste unten in Ruhe vorlesen. Liest es mindestens vier davon richtig, ist die Liste ein guter Start fürs Blitzlesen.

Blitzlesen Schritt für Schritt: die 10-Minuten-Routine

Diese Routine funktioniert zu Hause mit selbst geschriebenen Kärtchen und in der Schule mit einer kleinen Gruppe gleich gut. Sie brauchen zehn bis fünfzehn Karteikarten, einen dicken Stift und drei Stellen auf dem Tisch für drei Stapel.

  1. Karten vorbereiten: Schreiben Sie zehn bis zwölf Wörter groß und deutlich in Druckschrift, so wie im Lesebuch Ihres Kindes. Höchstens drei bis fünf davon sind neu, der Rest sind Wörter, die schon fast sitzen.

  2. Einmal in Ruhe lesen: Ihr Kind liest alle neuen Karten einmal ohne Zeitdruck, bei langen Wörtern in Silben. So ist sicher, dass es jedes Wort richtig erlesen kann.

  3. Blitzen: Zeigen Sie jede Karte etwa ein bis zwei Sekunden, dann verdecken oder umdrehen. Ihr Kind sagt laut, was es gelesen hat.

  4. Sortieren: Sofort richtig gelesen kommt auf den Stapel „kann ich“. Gezögert kommt auf „fast“. Falsch oder gar nicht: Karte offen zeigen, gemeinsam lesen, dann auf „noch üben“.

  5. Zweite Runde: Nur die Stapel „fast“ und „noch üben“ noch einmal blitzen. Was jetzt sofort klappt, wandert eine Stufe weiter.

  6. Aufhören, solange es Spaß macht: Nach fünf bis zehn Minuten ist Schluss. Ein Häkchen im Blitzlesepass oder das Zählen des „kann ich“-Stapels zeigt den Erfolg.

  7. Morgen wiederholen: Am nächsten Tag kommen zuerst die Wörter von gestern dran. Erst wenn ein Wort an drei Tagen sofort sitzt, wandert es in eine Wiederholungskiste, die Sie einmal pro Woche durchmischen.

Warum so kurz und so oft? Gedächtnisforschung zeigt seit Jahrzehnten, dass Wiederholungen, die über mehrere Tage verteilt sind, besser im Gedächtnis bleiben als dieselbe Übungszeit am Stück. Zehn Minuten an fünf Tagen bringen deshalb mehr als eine Stunde am Wochenende.

Wie lange sollte man Blitzlesekarten zeigen?

Eine allgemein gültige Zeit gibt es nicht, weil sie vom Kind und von der Wortlänge abhängt. Bewährt hat sich, mit etwa zwei Sekunden zu beginnen und die Zeit langsam zu verkürzen, sobald ein Wort sicher kommt. Lange Wörter brauchen mehr Zeit als kurze. Die Faustregel: so kurz, dass Ihr Kind nicht mehr Buchstabe für Buchstabe lesen kann, und so lang, dass es das Wort wirklich sehen kann. Liest Ihr Kind dauernd falsch, ist die Zeit zu kurz oder das Wort zu schwer.

Anhaltspunkte für die Anzeigezeit beim Blitzlesen
PhaseAnzeigezeitWoran Sie erkennen, dass es passt
Einstieg, neue Kartenetwa 2 SekundenIhr Kind liest die meisten Karten richtig, manche nach kurzem Zögern
Wörter sitzen fastetwa 1 SekundeIhr Kind liest ohne hörbares Lautieren, nur selten falsch
Wörter sitzen sicherunter 1 SekundeDie Antwort kommt sofort; jetzt in die Wiederholungskiste
Lange Wörter, Sätze2 bis 4 SekundenDer Satz wird ganz und mit richtiger Betonung gelesen

Blitzlesen Wörter: Listen für Klasse 1 bis 4

Die folgenden Listen bauen aufeinander auf. Die Klassenangaben sind nur eine grobe Orientierung; entscheidend ist, was Ihr Kind schon erlesen kann. Wenn die Schule eine eigene Liste oder einen Grundwortschatz vorgibt, nehmen Sie die Wörter daraus, denn die begegnen Ihrem Kind im Unterricht.

Wörter zum Blitzlesen nach Stufe
StufeBeispielwörterUngefähr
1 · Offene Silbenma, mi, mo, la, li, lo, sa, so, na, no, ra, ro, ta, to, fu, huKlasse 1
2 · Kurze lautgetreue WörterOma, Opa, Mama, Hut, Rad, Ast, Tor, rot, Mut, Nase, Igel, SofaKlasse 1
3 · Häufige kleine Wörterder, die, das, und, ist, ein, ich, du, er, sie, es, wir, mit, auf, in, nichtKlasse 1 bis 2
4 · Wörter mit BuchstabengruppenSchule, Fisch, Eis, Haus, Baum, Biene, Licht, Buch, Stern, Spiel, Euro, BäumeKlasse 1 bis 2
5 · Häufige Wörter in Geschichtensagte, dann, aber, auch, schon, wieder, immer, kommen, gehen, haben, Kinder, fragte, wollteKlasse 2
6 · Lange und zusammengesetzte WörterSchultasche, Fußball, Regenbogen, Geburtstag, Kindergarten, Hausaufgaben, Spielplatz, Schmetterling, Erdbeere, FahrradKlasse 3 bis 4
7 · Kurze SätzeDer Hund bellt. Das Eis ist kalt. Mama ruft mich. Wir gehen nach Hause. Ich kann das schon.ab Ende Klasse 1

Mehr Wörter für die Stufen finden Sie in unseren Wörterlisten, jeweils mit Ton zum Anhören: die häufigsten kleinen Wörter bei den Lernwörtern, Wörter, die anders geschrieben als gesprochen werden, bei den Merkwörtern, einfache Wörter zum Erlesen bei den lautgetreuen Wörtern und Wörter mit Buchstabengruppen zum Beispiel bei den Wörtern mit sch, Wörtern mit ei und Wörtern mit ie.

Blitzlesen mit Silben: der Weg zu langen Wörtern

Im Deutschen gibt es viele lange Wörter. Niemand kann „Schmetterling“ als Ganzes blitzschnell erkennen, wenn er nicht die Silben „Schmet“, „ter“ und „ling“ sicher liest. Darum steht Silben-Blitzlesen am Anfang, und darum lohnt es sich auch später noch. Der Ablauf ist derselbe wie bei Wörtern: Silbe kurz zeigen, laut lesen, sortieren.

  1. Offene Silben aus zwei Buchstaben: ma, me, mi, mo, mu, dann la, le, li, lo, lu und so weiter. Erst eine Buchstabenfamilie, dann gemischt.
  2. Silben mit Buchstabengruppen: schu, sche, ei, au, pf, st, sp, zum Beispiel scho, mau, rei, spi.
  3. Geschlossene Silben: man, lot, ber, ten, ster, mit, die häufig am Ende oder in der Mitte langer Wörter stehen.
  4. Zwei Silben nacheinander blitzen und dann gemeinsam als Wort lesen: Ho-se, Son-ne, Blu-me.
  5. Lange Wörter in Silben blitzen: Erst „Schmet“, dann „ter“, dann „ling“, danach das ganze Wort offen lesen.

Für das Silben-Blitzlesen eignen sich der Silbenteppich als Vorlage und die Silbenbögen für lange Wörter. Wer Silben noch nicht sicher hört, beginnt mit Silben klatschen: Erst hören, dann lesen.

Blitzlesen mit Sätzen und kurzen Texten

Sobald einzelne Wörter sitzen, kommt der nächste Schritt: ganze Wortgruppen und Sätze. Hier wird aus dem Blitzlesen eine Verstehensübung. Zeigen Sie einen Satz zwei bis vier Sekunden lang und fragen Sie danach nicht nur „Was stand da?“, sondern auch „Wer bellt?“ oder „Wie ist das Eis?“.

  • Wortgruppen blitzen: „auf dem Tisch“, „in den Garten“, „mit meinem Hund“. Das übt das Lesen in Sinnschritten statt Wort für Wort.
  • Satz und Bild: Satz kurz zeigen, dann zwei Bilder hinlegen. Ihr Kind zeigt auf das passende Bild.
  • Satz-Wahr-oder-falsch: „Der Fisch kann fliegen.“ kurz zeigen; Ihr Kind sagt „stimmt“ oder „stimmt nicht“.
  • Sätze aus einem Text: Vor dem Lesen einer Geschichte die zwei, drei schwierigsten Sätze blitzen. Danach geht die Geschichte flüssiger.

Kurze Texte mit Fragen zum Verstehen finden Sie in unseren Lesetexten, sortiert nach Klasse, zum Beispiel die Lesetexte für Klasse 1 und die Lesetexte für Klasse 2.

Blitzlesen-Spiele und Varianten für Schule und Zuhause

Dieselbe Übung jeden Tag wird schnell langweilig. Diese Varianten halten das Prinzip bei, kurz zeigen und laut lesen, und bringen Abwechslung hinein:

  1. Blitzlese-Bingo: Jedes Kind hat ein Raster mit neun Wörtern. Sie blitzen ein Wort; wer es auf seiner Karte hat, legt einen Stein darauf.
  2. Bewegtes Blitzlesen: Bei Tierwörtern aufstehen, bei Farbwörtern klatschen, bei allen anderen sitzen bleiben. Das Kind muss das Wort lesen und verstehen.
  3. Taschenlampen-Blitz: Wortkarten an der Wand, Zimmer abgedunkelt. Sie leuchten eine Karte kurz an, Ihr Kind liest.
  4. Lesefenster: Ein Stück Pappe mit einem Schlitz wird über eine Wörterliste geschoben und gibt immer nur ein Wort für einen Moment frei.
  5. Partner-Blitzlesen mit Sanduhr: Zwei Kinder, eine Ein-Minuten-Sanduhr. Wie viele Karten schafft das eine Kind, während das andere zeigt? Danach Rollen tauschen. Nur für Kinder, die Wettbewerb mögen.
  6. Blitzlesen am Bildschirm: In einem Präsentationsprogramm jedes Wort auf eine eigene Folie schreiben und den automatischen Folienwechsel auf ein bis zwei Sekunden stellen. So entsteht ohne App eine eigene Blitzlese-Präsentation.
  7. Blitzlesepass: Ein kleines Heft, in dem jede gekonnte Wortgruppe abgehakt oder gestempelt wird. Viele Kinder lieben es, die Seiten voll zu bekommen.

Blitzlesen online: die Tempo-Strecke von Dyslexia Steps

Wer am Tablet oder Computer üben möchte, findet das Blitzlesen im Leseprogramm von Dyslexia Steps in der Welt „Tempo-Strecke“. Im deutschen Programm beginnt sie mit dem Silbenblitz: Eine Silbe blitzt auf, verschwindet, und das Kind tippt die gesehene Silbe unter mehreren an. Danach folgen die Blitz-Wörter mit häufigen deutschen Wörtern, von „der, die, das“ bis zu Wörtern wie „wollte“ und „musste“.

Die Anzeigezeit passt sich dem Level an: Silben werden anfangs etwa 1,3 Sekunden gezeigt, Wörter etwa 1,6 Sekunden, und mit jedem Level etwas kürzer. Jedes fünfte Level ist ein kurzes Farben-Rennen. Vor der Tempo-Strecke liegen Welten, die Laute, Buchstaben und das genaue Erlesen üben, entsprechend der Regel „erst erlesen, dann blitzen“. Für das Programm brauchen Sie ein kostenloses Konto; die ersten fünf Level jeder Welt sind damit frei.

Blitzlesen bei LRS und Legasthenie: was die Forschung sagt

Kinder mit Legasthenie lesen im Deutschen oft irgendwann richtig, aber sehr langsam. Blitzlesen scheint da die naheliegende Antwort zu sein. Die Forschung aus dem deutschsprachigen Raum zeigt, was es leisten kann und was nicht.

  • 32

    geübte Wörter: Langsame Leser wurden bei genau diesen deutlich schneller, bei neuen Wörtern kaum (Universität Salzburg, 20 Kinder, 8 bis 11 Jahre)6

  • 39

    deutschsprachige Kinder aus Klasse 2 und 4: Gemeinsames Lesen mit einem Erwachsenen steigerte die allgemeine Leseflüssigkeit schneller als ein Computertraining7

In der Salzburger Studie lasen 20 Kinder, die genau, aber sehr langsam lasen, an bis zu 25 Tagen am Computer immer wieder dieselben 32 Wörter, also ein Training, das dem Blitzlesen sehr nahe kommt. Die Lesezeit für diese Wörter sank deutlich und blieb auch fünf Wochen später niedrig. Zwei Ergebnisse sind aber genauso wichtig: Selbst nach sehr vielen Wiederholungen lasen die Kinder die geübten Wörter nicht so schnell wie Gleichaltrige. Und auf neue Wörter übertrug sich der Effekt nur in geringem Maß.

Eine zweite Studie mit 39 deutschsprachigen Kindern aus der zweiten und vierten Klasse verglich ein Computertraining mit Buchstabengruppen am Wortanfang mit dem gemeinsamen Lesen von Büchern mit einem Erwachsenen. Beide Gruppen wurden bei Wörtern mit den geübten Buchstabengruppen besser. Die allgemeine Leseflüssigkeit stieg aber in der Gruppe, die echte Bücher mit einem Erwachsenen las, schneller. Das Lesen von Unsinnwörtern verbesserte sich in keiner Gruppe.

Was heißt das für die Praxis? Blitzlesen wirkt vor allem auf die Wörter, die geübt werden. Deshalb sollten es die häufigsten Wörter und die Wörter aus dem aktuellen Lesebuch sein, denn jedes davon taucht in vielen Sätzen wieder auf. Blitzlesen allein macht ein Kind mit Legasthenie aber nicht zu einem flüssigen Leser. Es ist ein Baustein neben dem Lesen echter Texte mit Begleitung.

Langsames Lesen wächst sich nicht von selbst aus: In einer deutschsprachigen Langzeitstudie lasen die meisten Kinder, die am Ende der ersten Klasse langsam lasen, auch in der achten Klasse noch schwach. Wenn Ihr Kind trotz regelmäßigen Übens über Monate kaum schneller wird, lohnt sich ein genauerer Blick. Ob eine vorübergehende Lese-Rechtschreibschwäche oder eine Legasthenie vorliegt, erklärt unser Ratgeber zum Unterschied zwischen Legasthenie und LRS; feststellen können das nur Fachleute.

Häufige Fehler beim Blitzlesen

Blitzlesen: was hilft und was schadet
WortauswahlWörter, die das Kind schon erlesen kann, vor allem häufigeNeue, unbekannte Wörter, die das Kind nur erraten kann
AnzahlDrei bis fünf neue Karten pro Tag, der Rest WiederholungZwanzig neue Wörter auf einmal
AnzeigezeitMit etwa zwei Sekunden beginnen, langsam verkürzenVon Anfang an so kurz, dass das Kind nur noch rät
Bei FehlernKarte offen zeigen, gemeinsam lesen, später wieder blitzen„Falsch!“ sagen und sofort die nächste Karte zeigen
DauerFünf bis zehn Minuten an den meisten TagenEine lange Sitzung am Wochenende
ZielSicheres, ruhiges Erkennen; Tempo folgtJeden Tag ein neuer Rekord gegen die Uhr

Ein Sonderfall sind Unsinnwörter wie „rimo“ oder „tasko“, die es in manchen Blitzlese-Videos gibt. Sie lassen sich nicht aus dem Gedächtnis abrufen; wer sie blitzt, übt das schnelle Erlesen von Silben. Das kann sinnvoll sein, ist für Kinder mit Leseschwierigkeiten aber sehr schwer. Geben Sie dafür deutlich mehr Zeit und mischen Sie nur wenige solcher Wörter ein.

Und noch ein Hinweis zur Stimmung: Für Kinder, die sich wegen ihres Lesens schämen, kann eine Stoppuhr oder ein Wettbewerb in der Klasse sehr belastend sein. Zu Hause, mit einem Elternteil und ohne Zuschauer, fällt es vielen leichter. Loben Sie die Anstrengung und zeigen Sie den wachsenden „kann ich“-Stapel, nicht die Geschwindigkeit.

Blitzlesen und Leseflüssigkeit: wie beides zusammenhängt

Blitzlesen ist eine Übung für einen Baustein der Leseflüssigkeit: das automatische Erkennen von Wörtern. Zur Leseflüssigkeit gehören aber auch genaues Erlesen, ein angemessenes Tempo im Text und eine Betonung, die zum Sinn passt. Die beiden letzten lassen sich mit einzelnen Karten nicht üben, sondern nur mit echten Texten.

Eine gute Kombination für zu Hause: zuerst fünf Minuten Blitzlesen mit den schwierigen Wörtern einer Geschichte, danach die Geschichte gemeinsam laut lesen, zum Beispiel im Lesetandem. Wie das Lesetandem und andere Lautleseverfahren funktionieren und woran Sie flüssiges Lesen erkennen, erklärt unser Ratgeber Leseflüssigkeit fördern. Wie die Grundlage für alles Lesen entsteht, das Hören von Lauten in Wörtern, steht im Ratgeber zur phonologischen Bewusstheit. Weitere Übungen nach Fähigkeit sortiert finden Sie in den LRS-Übungen.

Tägliches Lesetraining im Browser

Spiele in sieben Welten, ein Tagesplan auf Basis des Tests, verteilte Wiederholung und ein Elternbereich mit Fortschritt, täglichem Zeitlimit und bis zu 4 Kinderprofilen in einem Abo. Läuft auf Computer, Tablet oder Smartphone.

  • Spiele in sieben Welten: Laut-Insel, Buchstaben-Wald, Wörter-Werkstatt, Tempo-Strecke, Geschichten-Hafen, Adlerauge und Gedächtnis-Höhle
  • Ein Tagesplan, der bei der Fokusfähigkeit beginnt und sich den Fortschritten Ihres Kindes anpasst
  • Verteilte Wiederholung der Buchstaben und Wörter, die noch unsicher sind
  • Bis zu 4 Kinderprofile in einem Abo, mit Elternbereich und täglichem Zeitlimit
Das Programm ansehen

Häufige Fragen

Was ist Blitzlesen?

Blitzlesen ist eine Leseübung, bei der ein Wort, eine Silbe oder ein kurzer Satz nur ein bis zwei Sekunden gezeigt wird und das Kind ihn sofort laut liest. So übt es, bekannte Wörter auf einen Blick zu erkennen, statt sie jedes Mal neu zu erlesen. Das macht das Lesen flüssiger.

Wie lange zeigt man Blitzlesekarten?

Zum Einstieg etwa zwei Sekunden, bei sicheren Wörtern etwa eine Sekunde oder weniger. Lange Wörter und Sätze brauchen zwei bis vier Sekunden. Liest Ihr Kind oft falsch oder rät, ist die Zeit zu kurz oder das Wort zu schwer.

Ab welcher Klasse ist Blitzlesen sinnvoll?

Sobald ein Kind einfache Wörter Laut für Laut erlesen kann, in vielen Klassen ab der zweiten Hälfte der ersten Klasse. Silben-Blitzlesen kann früher beginnen. Auch in Klasse 3 und 4 hilft Blitzlesen Kindern, die noch langsam lesen, dann mit langen und zusammengesetzten Wörtern.

Welche Wörter eignen sich zum Blitzlesen?

Am meisten bringen die häufigsten kleinen Wörter wie der, die, das, und, ist, nicht, mit, dazu Wörter aus dem aktuellen Lesebuch. Wichtig ist, dass Ihr Kind jedes Wort schon richtig erlesen kann. Danach folgen Wörter mit Buchstabengruppen, lange Wörter in Silben und kurze Sätze.

Hilft Blitzlesen bei LRS und Legasthenie?

Es hilft bei den geübten Wörtern: In einer Salzburger Studie wurden langsame Leser bei 32 trainierten Wörtern deutlich schneller. Auf neue Wörter übertrug sich das kaum. Blitzlesen ist daher ein Baustein neben dem systematischen Üben von Buchstaben und Lauten und dem gemeinsamen Lesen echter Texte, kein Ersatz dafür.

Lernen Kinder beim Blitzlesen das Wortbild?

Nein, auch wenn es oft so heißt. Wörter werden im Gedächtnis über die Verbindung von Buchstaben und Lauten gespeichert, nicht als Umriss. Deshalb muss ein Kind ein Wort erst ein paarmal richtig erlesen haben, bevor es durch Blitzlesen schnell abrufbar wird.

Wie oft sollte man Blitzlesen üben?

Fünf bis zehn Minuten an den meisten Tagen sind ideal. Über mehrere Tage verteilte Wiederholungen bleiben besser im Gedächtnis als eine lange Sitzung. Pro Tag nur drei bis fünf neue Karten, dazu Wörter vom Vortag und einmal pro Woche eine gemischte Wiederholung.

Gibt es Blitzlesen online oder als App?

Ja. Sie können Wörter am Computer in einer Präsentation mit automatischem Folienwechsel blitzen lassen. Im Leseprogramm von Dyslexia Steps gibt es Silbenblitz und Blitz-Wörter in der Tempo-Strecke; mit einem kostenlosen Konto sind die ersten fünf Level jeder Welt frei.

Silben oder Wörter: womit fängt man beim Blitzlesen an?

Mit Silben, sobald Ihr Kind die ersten Buchstaben zu Silben verbindet, und mit kurzen lautgetreuen Wörtern. Dann folgen die häufigen kleinen Wörter. Silben-Blitzlesen bleibt auch später nützlich, weil lange deutsche Wörter aus häufigen Silben bestehen.

Quellen

  1. Ehri LC (2014). Orthographic mapping in the acquisition of sight word reading, spelling memory, and vocabulary learning. Sci Stud Read, 18(1), 5-21.
  2. Share DL (1995). Phonological recoding and self-teaching: sine qua non of reading acquisition. Cognition, 55(2), 151-218.
  3. Kultusministerkonferenz (2022). Bildungsstandards für das Fach Deutsch, Primarbereich (Beschluss vom 15.10.2004 i.d.F. vom 23.06.2022). Accessed 2026-10-21.
  4. Schroeder S, Würzner KM, Heister J, Geyken A, Kliegl R (2015). childLex: a lexical database of German read by children. Behav Res Methods, 47(4), 1085-94.
  5. Cepeda NJ, Pashler H, Vul E, Wixted JT, Rohrer D (2006). Distributed practice in verbal recall tasks: a review and quantitative synthesis. Psychol Bull, 132(3), 354-80.
  6. Thaler V, Ebner EM, Wimmer H, Landerl K (2004). Training reading fluency in dysfluent readers with high reading accuracy: word specific effects but low transfer to untrained words. Ann Dyslexia, 54(1), 89-113.
  7. Huemer S, Landerl K, Aro M, Lyytinen H (2008). Training reading fluency among poor readers of German: many ways to the goal. Ann Dyslexia, 58(2), 115-37.
  8. Galuschka K, Ise E, Krick K, Schulte-Körne G (2014). Effectiveness of treatment approaches for children and adolescents with reading disabilities: a meta-analysis of randomized controlled trials. PLoS One, 9(2), e89900.
  9. Landerl K, Wimmer H (2008). Development of word reading fluency and spelling in a consistent orthography: an 8-year follow-up. J Educ Psychol, 100(1), 150-161.