Lesen lernen: vom Laut über die Silbe zum Wort
Mmm und aaa ergibt ma, ma und ma ergibt Mama. Lesen lernen geht in kleinen Schritten: Laute kennen, Laute verbinden, Silben lesen, Wörter lesen. Hier finden Sie für jeden Schritt eine Liste mit Ton.
Alle Listen
Liste: Lesen lernen (18 Wörter)
Tippe auf ein Wort, um es zu hören.
In Silben: Lesen lernen
Spiel: Hören und finden
Hör ein Wort aus der Liste und finde es unter vier ähnlichen Wörtern. Acht Runden, etwa zwei Minuten.
Spiel: Wort aus Silben bauen
Hör das Wort und bau es aus den Silbenkärtchen. Sechs Runden.
Kurz gesagt
Wie lernen Kinder lesen?
Kinder lernen lesen, indem sie zuerst die Laute der Buchstaben kennenlernen und dann üben, sie zu verbinden. Im Deutschen geschieht das meist so: Das Kind hört den Anlaut eines Wortes (M wie Maus), lernt den passenden Buchstaben, zieht Laute zu Silben zusammen (mmm-aaa wird ma) und liest Silben zu Wörtern (ma-ma wird Mama). Dieses Zusammenziehen heißt Lautieren oder Zusammenschleifen. Weil die deutsche Schrift ziemlich regelmäßig ist, lesen viele Kinder schon nach dem ersten Schuljahr recht genau; danach geht es vor allem um Tempo und Sicherheit.
- Beim Lautieren spricht man den Laut, nicht den Buchstabennamen: mmm statt em.
- Die deutsche Schrift ist beim Lesen ziemlich regelmäßig; viele Kinder lesen nach Klasse 1 schon recht genau.
- Systematisches Üben von Buchstaben und Lauten ist der in Studien am besten belegte Weg für Kinder mit Leseschwierigkeiten.
- Bei Kindern mit Leseschwierigkeiten zeigt sich das im Deutschen oft eher als sehr langsames, mühsames Lesen als in vielen Fehlern.
Am Anfang steht das Hören. Bevor ein Kind lesen kann, muss es merken, dass Wörter aus Lauten bestehen und dass Maus mit dem gleichen Laut beginnt wie Mond. Dabei helfen die Anlauttabelle mit einem Beispielwort für jeden Buchstaben, Übungen zu Anlauten und das Finden von Reimwörtern. Wichtig ist, mit den Lauten zu arbeiten, nicht mit den Buchstabennamen: Das M klingt beim Lesen mmm, nicht em.
Dann kommt das Verbinden. Das Kind zieht zwei Laute zusammen, zuerst am besten solche, die man lang halten kann: mmm-aaa wird ma, lll-ooo wird lo. Daraus entstehen Silben und erste Wörter wie Mama, Oma, Sofa und Nase. Viele Fibeln führen die Buchstaben in einer festen Reihenfolge ein, oft mit m, a, l, o, i, s, e, n am Anfang, weil sich daraus schnell sinnvolle Wörter bilden lassen. Wenn die ersten Silben sitzen, lohnt sich das Lesen in Silben mit Silbenbögen.
Lesen braucht Übung, und Kinder unterscheiden sich stark darin, wie schnell es geht. Kurzes tägliches Üben bringt mehr als seltene lange Sitzungen. Wenn ein Kind nach vielen Wochen gezielten Übens immer noch sehr langsam und mühsam liest, kann eine Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit dahinterstecken. Der kostenlose LRS-Test zeigt, welche Fähigkeit zuerst geübt werden sollte; er ist ein Screening, keine Diagnose. Ob eine Legasthenie vorliegt, klären Fachleute wie Kinder- und Jugendpsychiater oder Psychologen. Anregungen für zu Hause stehen unter LRS-Förderung.
Übungen: Lesen lernen
Ein Laut am Tag
Wählen Sie einen Buchstaben aus der Anlauttabelle, zum Beispiel M. Ihr Kind sucht im Haus Dinge, die mit mmm anfangen, spricht den Laut lang und hört sich das Beispielwort hier an. Am nächsten Tag kommt ein neuer Laut dazu, und der alte wird kurz wiederholt.
Laute zusammenziehen
Sprechen Sie zwei Laute lang gezogen und ohne Pause: mmmaaa. Ihr Kind sagt, was herauskommt: ma. Danach umgekehrt: Ihr Kind zieht die Laute, Sie raten. Später lesen Sie gemeinsam die Wörter aus der Liste oben.
Wörter im Spiel lesen
Auf jeder Wörterliste gibt es das Spiel Hören und finden: Ihr Kind hört ein Wort und tippt es unter mehreren Wörtern an. Fangen Sie mit kurzen Wörtern wie Maus, Eis und Hut an.
Häufige Fragen
Wie bringe ich meinem Kind das Lesen bei?
In kleinen Schritten: zuerst einige Laute mit Buchstaben, dann Laute zu Silben verbinden, dann Silben zu Wörtern. Üben Sie täglich zehn Minuten, loben Sie Fortschritte und lesen Sie zusätzlich vor. Wenn Ihr Kind schon in der Schule ist, fragen Sie die Lehrkraft, mit welcher Fibel und in welcher Buchstabenreihenfolge gearbeitet wird.
Was ist Lautieren?
Lautieren heißt, die Laute eines Wortes einzeln zu sprechen und dann zusammenzuziehen: mmm-aaa-uuu-sss wird Maus. Wichtig ist, die Laute zu sprechen, nicht die Buchstabennamen. Aus em-a-u-es wird kein Wort.
Mit welchen Buchstaben fängt man an?
Viele Fibeln beginnen mit Lauten, die man lang halten kann, wie m, l, s, n, r, f, und mit den Vokalen a, o, i, e, u. Daraus lassen sich früh Wörter wie Mama, Oma, Lama und Sofa bilden. Kurze Laute wie b, d, g, k, p, t kommen etwas später.
Wann können Kinder lesen?
Die meisten Kinder lernen das Lesen in Klasse 1 und lesen am Ende des ersten Schuljahrs einfache Texte. Flüssig und mit gutem Verständnis zu lesen, dauert meist bis Klasse 3 oder 4. Manche Kinder brauchen mehr Zeit, und das ist nicht automatisch ein Grund zur Sorge.
Woran erkenne ich, dass mein Kind beim Lesen Hilfe braucht?
Hinweise können sein: Es kann sich die Buchstaben-Laut-Verbindungen nach vielen Wochen nicht merken, liest auch kurze Wörter sehr langsam oder errät Wörter, statt sie zu lesen. Sprechen Sie dann mit der Lehrkraft. Unser kostenloser LRS-Test zeigt Stärken und Schwächen, ersetzt aber keine Abklärung durch Fachleute.
Ist Lesen durch Schreiben schlecht?
Lesen durch Schreiben ist eine Methode, bei der Kinder mit der Anlauttabelle zuerst frei schreiben und das Lesen dabei von selbst lernen sollen. In Reinform, ohne frühes Üben der Rechtschreibung, ist sie umstritten. Heute arbeiten die meisten Schulen mit einer Mischung: Anlauttabelle als Hilfe, dazu systematisches Lesen- und Schreibenlernen. Mehr dazu auf der Seite Anlauttabelle.
Weiter üben
Quellen
- Galuschka K, Ise E, Krick K, Schulte-Körne G (2014). Effectiveness of treatment approaches for children and adolescents with reading disabilities: a meta-analysis of randomized controlled trials. PLoS One, 9(2), e89900.
- Seymour PHK, Aro M, Erskine JM (2003). Foundation literacy acquisition in European orthographies. Br J Psychol, 94(2), 143-74.