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Legasthenie-Simulator: Wie sich Lesen mit LRS anfühlen kann

Die meisten Simulationen lassen Buchstaben hüpfen. Das ist aber nicht, was Legasthenie meistens ausmacht. Entziffern Sie stattdessen eine Geheimschrift: Das kommt dem langsamen, anstrengenden Lesen viel näher, das viele Kinder mit Legasthenie jeden Tag erleben.

So kommt man dem, was Legasthenie wirklich ausmacht, deutlich näher. Der Satz unten ist in Zeichen geschrieben, die Sie nie gelernt haben. Suchen Sie jeden Buchstaben im Schlüssel und tippen Sie dann den Satz ein. Achten Sie darauf, wie langsam und ermüdend Lesen ist, wenn Buchstaben nicht automatisch zu Lauten werden.

Schlüssel

⊏ = b⊐ = d⋿ = eϟ = hʍ = mɲ = n◯ = oɹ = rϛ = s⊤ = t∪ = uʓ = z

Kurz gesagt

Was zeigt der Legasthenie-Simulator von Dyslexia Steps?

Der Legasthenie-Simulator von Dyslexia Steps ist ein kostenloses Browser-Werkzeug mit zwei Modi. Im Hauptmodus lesen Sie einen kurzen Satz in unbekannten Zeichen mithilfe eines Schlüssels. Das bildet das langsame Erlesen Buchstabe für Buchstabe nach, das ein Kind erlebt, bei dem die Verbindung von Buchstaben und Lauten noch nicht automatisch läuft. Ein zweiter Modus zeigt den bekannten Effekt wackelnder Buchstaben und erklärt, dass Legasthenie vor allem eine Schwierigkeit mit Sprachlauten und Rechtschreibung ist, nicht mit den Augen.

  • Legasthenie ist vor allem eine Schwierigkeit, geschriebene Buchstaben mit Sprachlauten zu verbinden.
  • Die meisten Menschen mit Legasthenie sehen Buchstaben normal; wackelnde Buchstaben sind ein Bild.
  • Im Deutschen zeigt sich Legasthenie oft als genaues, aber sehr langsames Lesen.
  • Kostenlos, ohne Anmeldung; nichts, was Sie eintippen, verlässt Ihren Browser.

Warum dieser Legasthenie-Simulator eine Geheimschrift nutzt

Die Forschung der letzten Jahrzehnte zeigt immer wieder dieselbe Kernschwierigkeit: Buchstaben und Buchstabengruppen den Sprachlauten zuzuordnen, für die sie stehen, und das so schnell, dass Lesen automatisch wird. Ist diese Verbindung langsam, muss jedes Wort einzeln erarbeitet werden, und für den Inhalt bleibt kaum Aufmerksamkeit übrig.

Eine Schrift, die Sie nie gelernt haben, versetzt Sie genau in diese Lage. Sie sehen jedes Zeichen scharf, müssen es aber nachschlagen, die Laute im Kopf behalten und zusammenziehen. Deshalb dauert schon ein kurzer Satz so lange, und deshalb ist es ermüdend. Genau das beschreiben viele Kinder mit Legasthenie.1,2,3

Legasthenie im Deutschen: langsam statt fehlerhaft

Deutsch lässt sich viel regelmäßiger lesen als Englisch: Wer die Buchstabe-Laut-Regeln kennt, kann die meisten Wörter richtig erlesen. Kinder mit Legasthenie lesen im Deutschen deshalb oft erstaunlich genau, aber sehr langsam und mühsam. Im Englischen dagegen fallen vor allem viele Lesefehler auf.

Darum misst der Simulator die Zeit. Sie werden den Satz vermutlich richtig entziffern, aber deutlich langsamer als ein geübter Leser. Dieser Abstand ist das, was im Unterricht oft übersehen wird: Ein Kind liest „richtig“ vor und braucht dafür deutlich länger als die anderen. Die Rechtschreibung bleibt im Deutschen meist die größte Hürde.4,5

Sehen Menschen mit Legasthenie die Buchstaben wackeln?

Die meisten nicht. Manche berichten, dass Text verschwimmt oder sich zu bewegen scheint, und Sehbeschwerden können zusammen mit einer Legasthenie auftreten, aber sie machen sie nicht aus. Auch das Verwechseln von b und d ist bei allen Leseanfängern häufig und hat meist mit dem Lernen der Buchstabe-Laut-Zuordnung zu tun, nicht mit den Augen.

Den Modus mit wackelnden Buchstaben gibt es, weil viele danach suchen und weil er zeigt, dass Lesen schwer sein kann. Verstehen Sie ihn als Bild. Wenn ein Kind sagt, dass sich der Text bewegt oder verschwimmt, ist eine augenärztliche Untersuchung ein sinnvoller, eigener Schritt.1

Den Legasthenie-Simulator mit Lehrkräften und Familie nutzen

Die Geheimschrift funktioniert gut auf einem Elternabend, in einer Lehrerkonferenz oder mit Geschwistern und Großeltern: Geben Sie allen eine Minute für einen Satz und sprechen Sie danach darüber, wie es sich angefühlt hat. Die meisten sind überrascht, wie langsam sie waren und wie wenig sie vom Inhalt behalten haben.

Das ist auch ein guter Moment, um zu sagen, was tatsächlich hilft: systematisches Üben der Buchstabe-Laut-Verbindungen und viele kurze, regelmäßige Übungseinheiten, statt ein Kind aufzufordern, sich mehr anzustrengen oder länger zu lesen. Mehr dazu unter LRS-Förderung zu Hause.6

Häufige Fragen

Wie genau ist dieser Legasthenie-Simulator?

Kein Simulator kann Legasthenie genau nachbilden. Die Geheimschrift kommt der Schwierigkeit beim Erlesen näher als wackelnde Buchstaben, aber zur Erfahrung eines Kindes mit Legasthenie gehören auch Rechtschreibung, Gedächtnis und oft jahrelange Frustration, die ein Werkzeug in einer Minute nicht zeigen kann.

Wie sieht Text für Menschen mit Legasthenie aus?

Meistens ganz normal. Schwer ist, die Buchstaben schnell in Laute und Wörter zu übersetzen. Deshalb ist Lesen langsam und anstrengend, und das Schreiben fällt oft noch schwerer.

Kann ich den Simulator im Unterricht einsetzen?

Ja. Er ist kostenlos und läuft in jedem Browser. Projizieren Sie ihn an die Wand, lassen Sie Schülerinnen, Schüler oder Kollegen einen Satz lesen und sprechen Sie danach darüber.

Gibt es auch eine Legasthenie-Simulation für die Rechtschreibung?

Nein, dieser Simulator bildet das Lesen nach. Wie sich Legasthenie beim Schreiben zeigt, beschreibt die Seite zu den Anzeichen einer Legasthenie.

Wie finde ich heraus, ob mein Kind Anzeichen von Legasthenie hat?

Machen Sie den kostenlosen LRS-Test für Kinder: sechs kurze Spiele in etwa 8 Minuten. Das Ergebnis können Sie mit der Schule oder einer Fachperson besprechen.

Quellen

  1. Snowling MJ, Hulme C, Nation K (2020). Defining and understanding dyslexia: past, present and future. Oxf Rev Educ, 46(4), 501-513.
  2. Peterson RL, Pennington BF (2012). Developmental dyslexia. Lancet, 379(9830), 1997-2007.
  3. Share DL (1995). Phonological recoding and self-teaching: sine qua non of reading acquisition. Cognition, 55(2), 151-218.
  4. Ziegler JC, Goswami U (2005). Reading acquisition, developmental dyslexia, and skilled reading across languages: a psycholinguistic grain size theory. Psychol Bull, 131(1), 3-29.
  5. Seymour PHK, Aro M, Erskine JM (2003). Foundation literacy acquisition in European orthographies. Br J Psychol, 94(2), 143-74.
  6. Galuschka K, Ise E, Krick K, Schulte-Körne G (2014). Effectiveness of treatment approaches for children and adolescents with reading disabilities: a meta-analysis of randomized controlled trials. PLoS One, 9(2), e89900.