Kurz gesagt
Was versteht man unter phonologischer Bewusstheit?
Phonologische Bewusstheit ist die Fähigkeit, die Lautstruktur gesprochener Sprache zu erkennen und mit ihr umzugehen, ganz ohne Schrift. Im weiteren Sinne gehören dazu größere Einheiten wie Wörter, Silben und Reime, im engeren Sinne die einzelnen Laute (Phoneme), etwa die drei Laute in „Oma“ oder das /m/ am Anfang von „Maus“. Die Bewusstheit für einzelne Laute gehört zu den stärksten Vorläufern des Lesenlernens, und eine Schwäche in diesem Bereich ist die häufigste Schwierigkeit bei Legasthenie.
- Phonologische Bewusstheit betrifft gehörte Laute; Buchstaben kommen erst beim Lesen- und Schreibenlernen dazu.
- Im weiteren Sinne: Wörter, Silben, Reime. Im engeren Sinne: einzelne Laute (Phoneme).
- Kinder entwickeln meist zuerst das Gespür für größere Einheiten und später für einzelne Laute.
- Training der Lautbewusstheit wirkte in einer Meta-Analyse am besten in Verbindung mit Buchstaben.
- Eine Schwäche bei der Verarbeitung von Sprachlauten ist der am häufigsten beschriebene Kern der Legasthenie.
Fragen Sie ein Kindergartenkind, was sich auf „Haus“ reimt, und Sie bekommen vielleicht „Maus, raus, Klaus“ in einem Atemzug. Fragen Sie dasselbe Kind, mit welchem Laut „Haus“ anfängt, und es schaut Sie vielleicht ratlos an oder antwortet „mit H wie Hund“. Dieser Unterschied ist phonologische Bewusstheit in Aktion: Ein Reim ist ein großes, gut hörbares Stück Klang. Das einzelne /h/ am Wortanfang ist kurz, leise und mit dem Rest des Wortes verschmolzen.
Das ist wichtig, weil unsere Schrift die Laute der Sprache abbildet. Ein Kind, das noch nicht hört, dass „Oma“ aus drei Lauten besteht, hat für die drei Buchstaben O-m-a noch keinen Anker. Deshalb gehört die phonologische Bewusstheit zu den ersten Fähigkeiten, die Fachleute bei einem Kind mit Leseschwierigkeiten anschauen, und deshalb beginnt auch der kostenlose LRS-Test mit einem Lautspiel.
Was ist phonologische Bewusstheit?
Phonologische Bewusstheit ist ein Oberbegriff für die Fähigkeit, die Laute der gesprochenen Sprache zu bemerken, über sie nachzudenken und mit ihnen zu spielen. Es ist eine reine Hörfähigkeit: Man kann sie mit geschlossenen Augen üben, im Auto, beim Spaziergang oder in der Badewanne. Ein Kind mit guter phonologischer Bewusstheit kann sagen, dass sich „Sonne“ und „Tonne“ reimen, die Silben in „Ba-na-ne“ klatschen, hören, dass „Mond“ mit /m/ anfängt, und die Laute /f/ /i/ /sch/ zu „Fisch“ zusammenziehen.
Nicht gemeint ist das Hören selbst. Kinder mit schwacher phonologischer Bewusstheit hören in aller Regel normal; ein Hörtest beim Kinderarzt fällt meist unauffällig aus. Es geht darum, die Lautstruktur von Wörtern bewusst wahrzunehmen, also nicht nur zu verstehen, was ein Wort bedeutet, sondern auch, wie es klingt und woraus es besteht.
In der deutschen Fachliteratur und in Kita-Konzepten begegnen Ihnen dafür mehrere Wörter: phonologische Bewusstheit, Lautbewusstheit, phonematische oder phonemische Bewusstheit. Die beiden letzten meinen den engeren Teil, die Bewusstheit für einzelne Laute. Oft fällt auch der Begriff „Vorläuferfähigkeiten“, weil sich diese Fähigkeiten vor der Einschulung entwickeln und das spätere Lesen- und Schreibenlernen vorbereiten.
Phonologische Informationsverarbeitung: Bewusstheit, Gedächtnis, Benennen
Phonologische Bewusstheit ist der bekannteste Teil eines größeren Bereichs, den Fachleute phonologische Informationsverarbeitung nennen. Gemeint ist alles, was das Gehirn mit Sprachlauten macht, während ein Kind lesen und schreiben lernt. Drei Teile werden in Screenings und Studien fast immer getrennt geprüft:
| Teil | Was dahintersteckt | Typische Aufgabe |
|---|---|---|
| Phonologische Bewusstheit | Lautstruktur von Wörtern erkennen und verändern | Reime finden, Silben klatschen, Laute zusammenziehen |
| Phonologisches Arbeitsgedächtnis | Eine Lautfolge kurz im Kopf behalten | Ausgedachte Wörter wie „Bafume“ nachsprechen, Zahlenfolgen wiederholen |
| Benenngeschwindigkeit (schneller Abruf) | Bekannte Wörter rasch aus dem Gedächtnis holen | Eine Reihe von Farben oder Bildern so schnell wie möglich benennen |
Für Eltern ist die Unterscheidung nützlich, weil die drei Teile unterschiedlich mit dem Lesen zusammenhängen. In einer Langzeitstudie mit deutschsprachigen Kindern, die vom Schulbeginn bis zur achten Klasse begleitet wurden, sagte die Benenngeschwindigkeit vor allem das spätere Lesetempo voraus, die phonologische Bewusstheit dagegen vor allem die Rechtschreibung. Mehr zum Lesetempo erklärt unser Ratgeber zur Leseflüssigkeit.
Nicht verwechseln: phonologische Störung und AVWS
Eine phonologische Störung ist etwas anderes als eine schwache phonologische Bewusstheit. Bei einer phonologischen Störung, einer Form der Aussprachestörung, ersetzt oder lässt ein Kind beim Sprechen Laute aus, etwa „Tanne“ statt „Kanne“, über das Alter hinaus, in dem das üblich ist. Sie wird logopädisch abgeklärt und behandelt. Beides kann zusammen auftreten: Kinder mit früheren Sprachauffälligkeiten haben häufiger auch Mühe, über Laute nachzudenken; bei ihnen lohnt es sich besonders, vor der Einschulung auf Lautspiele zu achten. Eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) betrifft dagegen die Verarbeitung von Gehörtem allgemein, etwa im Störlärm, und wird pädaudiologisch untersucht.
Phonologische Bewusstheit im weiteren und im engeren Sinne
Im deutschsprachigen Raum unterscheidet man üblicherweise zwei Ebenen. Die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne betrifft größere Einheiten: Wörter in einem Satz, Silben und Reime. Sie entwickelt sich bei vielen Kindern schon im Kindergartenalter, oft ganz nebenbei durch Lieder, Abzählverse und Reimspiele. Die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne betrifft die kleinsten Einheiten, die einzelnen Laute. Sie entwickelt sich meist später und eng verbunden mit dem Lernen der Buchstaben.
Forschende, die die Entwicklung dieser Fähigkeiten untersucht haben, beschreiben sie als eine gemeinsame Grundfähigkeit, die sich an Lauteinheiten unterschiedlicher Größe zeigt. Kinder finden große Einheiten meist zuerst leicht und kleine später, die Stufen überlappen sich aber. Ein Kind muss nicht erst alle Reime beherrschen, bevor es Anlaute hören darf.
| Ebene | Was das Kind kann | Beispielaufgabe | Ungefähr ab |
|---|---|---|---|
| Wörter (weiterer Sinn) | Hören, dass ein Satz aus einzelnen Wörtern besteht | Für jedes Wort in „Der Hund bellt laut“ einen Stein legen | Kita, etwa 4 Jahre |
| Reime (weiterer Sinn) | Reime erkennen und selbst bilden | Reimt sich „Hose“ auf „Dose“? Was reimt sich auf „Bett“? | Kita, etwa 4 bis 5 Jahre |
| Silben (weiterer Sinn) | Wörter in Silben zerlegen und Silben zusammensetzen | „Ka-ro-tte“ klatschen; was ergibt „Tel-ler“? | Kita, etwa 4 bis 5 Jahre |
| Anlaut (engerer Sinn) | Den ersten Laut eines Wortes heraushören | Womit fängt „Mama“ an? Was beginnt wie „Sonne“? | Vorschuljahr, etwa 5 bis 6 Jahre |
| Laute verbinden (engerer Sinn) | Einzeln gesprochene Laute zu einem Wort zusammenziehen | /o/ /m/ /a/ ergibt? /f/ /i/ /sch/ ergibt? | Vorschuljahr bis Klasse 1 |
| Laute zerlegen und verändern (engerer Sinn) | Alle Laute eines Wortes nennen, Laute weglassen oder austauschen | Welche Laute hörst du in „Nase“? Sag „Maus“ ohne /m/ | Klasse 1 |
Warum phonologische Bewusstheit für das Lesenlernen zählt
Um ein neues Wort zu lesen, übersetzt ein Leseanfänger jeden Buchstaben oder jede Buchstabengruppe in einen Laut und zieht die Laute zusammen. Beim Schreiben läuft es umgekehrt: Das Kind zerlegt ein gesprochenes Wort in seine Laute und schreibt für jeden Laut einen Buchstaben. Beide Richtungen setzen voraus, dass das Kind einzelne Laute hören und mit ihnen umgehen kann.
In einer großen Meta-Analyse zu phonologischen Fähigkeiten und Lesen hing die Bewusstheit für einzelne Laute eng damit zusammen, wie gut Kinder Wörter lesen. Die Reimbewusstheit hatte einen deutlich schwächeren Zusammenhang, sobald andere Fähigkeiten berücksichtigt wurden. Für Eltern heißt das: Reime sind ein guter Einstieg, aber das Ziel ist das Hören einzelner Laute.
Phonologische Bewusstheit lässt sich auch gezielt fördern, und das wirkt sich auf das Lesen aus. Eine Meta-Analyse des amerikanischen National Reading Panel zum Training der Lautbewusstheit fand deutliche Effekte auf die Lautbewusstheit selbst und kleinere, aber echte Effekte auf Lesen und Rechtschreiben. Zwei Ergebnisse sind besonders nützlich: Das Training wirkte besser, wenn die Laute mit Buchstaben verbunden wurden, und wenn es sich auf ein oder zwei Fähigkeiten konzentrierte, etwa Laute verbinden und Laute zerlegen, statt auf viele auf einmal.
Was im Deutschen anders ist
Die deutsche Schrift ist im Vergleich zur englischen recht regelmäßig. In einer europäischen Vergleichsstudie konnten deutschsprachige Kinder schon am Ende des ersten Schuljahres fast alle einfachen Wörter richtig erlesen. Sobald Kinder im Deutschen die Buchstaben kennen, entwickelt sich die Bewusstheit für einzelne Laute deshalb oft schnell mit. Ein paar Besonderheiten sollten Sie trotzdem kennen: „sch“ ist ein Laut, obwohl es drei Buchstaben sind, „Fisch“ hat also drei Laute. Und am Wortende klingt ein „d“ wie /t/: Wer „Hund“ in Laute zerlegt, hört am Ende /t/. Lassen Sie Ihr Kind sagen, was es hört, nicht was es schreiben würde. Weil deutschsprachige Kinder Wörter früh genau erlesen, zeigt sich eine schwache Lautbewusstheit im Deutschen später oft eher bei der Rechtschreibung als bei der Lesegenauigkeit. Warum Englisch hier viel schwerer ist, erklärt unser Ratgeber zu LRS und Englisch.
Phonologische Bewusstheit und LRS
Die meisten Forschenden sind sich einig, dass eine Schwierigkeit mit der Lautstruktur von Wörtern der häufigste Kern einer Legasthenie ist. Das bedeutet nicht, dass das Kind schlecht hört. Es bedeutet, dass die Laute innerhalb von Wörtern im Gehirn weniger genau abgebildet oder schwerer abrufbar sind, sodass Zerlegen, Verbinden und Merken von Lauten mehr Kraft kostet. Dadurch fällt es schwer, Buchstabe-Laut-Verbindungen zu lernen und Wörter zu erlesen.
Phonologische Schwächen sind aber nicht die ganze Geschichte. Viele Kinder mit Legasthenie benennen vertraute Dinge langsamer, können sich Lautfolgen schlechter merken oder haben allgemeinere Sprachschwierigkeiten. Im Deutschen zeigt sich eine Legasthenie oft weniger durch falsches, sondern durch sehr langsames, mühsames Lesen und eine lange auffällige Rechtschreibung. Ob es sich um eine dauerhafte Störung oder eine vorübergehende Schwäche handelt, erklärt unser Ratgeber Unterschied Legasthenie und LRS.
Mögliche Warnzeichen im Vorschulalter und in Klasse 1 sind: Reime bereiten über das fünfte Lebensjahr hinaus große Mühe, Silbenklatschen gelingt kaum, das Kind verdreht oft Laute in langen Wörtern („Hubschrauber“ wird zu „Schubhrauber“), und es kann sich Buchstaben und ihre Laute trotz viel Übung nur schwer merken. Keines dieser Zeichen allein bedeutet eine Legasthenie. Treten mehrere zusammen auf und kommt das Lesen in der ersten Klasse kaum voran, lohnt sich ein genauerer Blick. Unsere Übersicht zeigt die Legasthenie-Anzeichen nach Alter.
Phonologische Bewusstheit fördern: Übungen und Spiele
Für diese Übungen brauchen Sie kein Material, nur ein paar Minuten und einen spielerischen Ton. Beginnen Sie auf der Ebene, die Ihrem Kind leichtfällt, und gehen Sie eine Stufe weiter, sobald es die meisten Aufgaben ohne Hilfe schafft. Die Reihenfolge folgt der Tabelle oben. Fertige Wortsammlungen zum Anhören finden Sie bei unseren Reimwörtern, beim Silbenklatschen und bei den Anlauten.
Übungen im Vorschulalter (weiterer Sinn und erste Anlaute)
Wörter zählen: Sagen Sie einen kurzen Satz, und Ihr Kind hüpft oder legt einen Baustein für jedes Wort. Am Anfang Sätze mit kurzen Wörtern wählen: „Ich mag Eis.“
Reim-Ping-Pong: Sie sagen ein Wort, Ihr Kind antwortet mit einem Reimwort, echt oder ausgedacht („Maus, Laus, Daus“). Unsinnsreime sind völlig in Ordnung, sie zeigen, dass das Kind das Lautmuster hört.
Silben klatschen und schwingen: Namen, Tiere und Essen in Silben klatschen oder mit den Armen schwingen: „Ma-ri-e“, „E-le-fant“. Dann umgekehrt: „Was ergibt Scho-ko-la-de?“
Reim-Detektiv: Drei Wörter, eines reimt sich nicht: „Kanne, Tanne, Hose“. Welches passt nicht dazu?
Ich sehe was, das fängt mit /m/ an: Sprechen Sie den Laut, nicht den Buchstabennamen. Also /mmm/, nicht „Em“.
Übungen für Klasse 1 (engerer Sinn)
Roboter-Sprache: Sie sprechen ein Wort Laut für Laut wie ein Roboter, /o/ /m/ /a/, und Ihr Kind sagt das ganze Wort. Mit Wörtern aus zwei oder drei Lauten beginnen.
Laute zählen: Ihr Kind sagt ein kurzes Wort langsam und legt für jeden Laut einen Knopf oder Stein in eine Reihe. „Eis“ hat zwei Laute, „Hut“ drei, „Fisch“ auch drei.
Wo ist der Laut? Hört man das /l/ in „Lampe“ am Anfang, in „Ball“ am Ende, in „Wolke“ in der Mitte?
Laute weglassen: „Sag ‚Maus‘ ohne /m/.“ Ergibt „aus“. „Sag ‚Brot‘ ohne /b/.“ Ergibt „rot“. Diese Stufe ist schwer und kommt zuletzt.
Laute tauschen: „Sag ‚Hand‘. Jetzt tausch das /h/ gegen /s/.“ Ergibt „Sand“. Danach dieselben Wörter mit Buchstabenkärtchen legen und einen Buchstaben austauschen.
Sobald Ihr Kind Wörter aus drei Lauten sicher zusammenziehen und zerlegen kann, nehmen Sie Buchstaben dazu. Legen Sie „Oma“ mit Buchstabenkarten, tauschen Sie dann einen Buchstaben und lesen Sie „Opa“. Dieser Schritt von Lauten zu Buchstaben macht aus phonologischer Bewusstheit Lesen. Weitere Ideen ohne Bildschirm, nach Fähigkeit sortiert, finden Sie in unseren LRS-Übungen.
Spiele zur phonologischen Bewusstheit
Viele bekannte Spiele lassen sich mit wenigen Handgriffen zu Lautspielen machen. Sie eignen sich für die Kita-Gruppe, für Geschwister und für Autofahrten:
- Reim-Memory: Bildkarten-Paare, die sich reimen (Maus und Haus, Topf und Kopf). Wer ein Paar aufdeckt, sagt beide Wörter laut.
- Ich packe meinen Koffer mit /m/: Jeder packt etwas ein, das mit demselben Laut beginnt: Mütze, Milch, Mond. Wer einen anderen Anfangslaut sagt, darf neu wählen.
- Silben-Hüpfen: Für jede Silbe eines Wortes ein Hüpfer auf dem Hüpfkästchen-Feld. Wer kommt mit „Schokolade“ am weitesten?
- Stille Post mit Lauten: Ein Kind flüstert ein Wort Laut für Laut, das nächste setzt es zusammen und gibt es als ganzes Wort weiter.
- Quatschwörter erfinden: Den ersten Laut eines Namens austauschen: aus „Lena“ wird „Mena“, „Bena“, „Sena“. Kinder lieben es, und nebenbei üben sie das Austauschen von Lauten.
Würzburger Trainingsprogramm und Förderung in der Kita
In vielen deutschen Kindergärten wird phonologische Bewusstheit im letzten Kita-Jahr mit einem festen Programm gefördert. Das bekannteste ist das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, lauschen, lernen“. Es besteht aus kurzen, täglichen Sprachspielen in der Gruppe, die über mehrere Monate von Lauschspielen über Reime, Sätze und Wörter, Silben bis zu Anlauten und einzelnen Lauten führen. Ein ergänzender Band, „Hören, lauschen, lernen 2“, verbindet die Laute anschließend mit Buchstaben.
Das Programm geht auf ein skandinavisches Vorbild zurück und wurde in Würzburg mit Vorschulkindern im Alter von durchschnittlich fünfeinhalb Jahren erprobt. Die Kinder spielten über etwa ein halbes Jahr hinweg die Sprachspiele und wurden mit Kindern ohne Training verglichen. Gemessen wurden nicht nur die Lautfähigkeiten direkt danach, sondern auch Lesen und Rechtschreiben am Ende der ersten und der zweiten Klasse. Beide Studien fanden kurz- und langfristige Vorteile für die trainierten Kinder.
Wenn die Kita Ihres Kindes so ein Programm nutzt, fragen Sie ruhig nach, wie Ihr Kind dabei zurechtkommt und welche Spiele Sie zu Hause wiederholen können. Wenn nicht, lassen sich die Grundideen leicht übernehmen: täglich wenige Minuten, spielerisch, in kleinen Schritten von großen zu kleinen Lauteinheiten. Die Übungen oben folgen genau diesem Aufbau.
In der ersten Klasse geht die Förderung meist direkt in den Leseunterricht über. Viele Lehrwerke arbeiten mit Anlauttabellen, Silbenbögen oder farbig markierten Silben, die das Hören von Silben und Lauten mit der Schrift verbinden. Für Kinder, die dabei nicht mitkommen, bieten viele Schulen Förderstunden an.
Phonologische Bewusstheit testen: Screening in Kita und Schule
Fachleute prüfen phonologische Bewusstheit mit kurzen mündlichen Aufgaben: Reimen sich zwei Wörter? Welches von drei Wörtern passt nicht? Welche Laute hörst du? Was bleibt übrig, wenn man einen Laut weglässt? Manche Verfahren nutzen auch ausgedachte Wörter, weil ein Kind sie nicht aus dem Gedächtnis kennen kann und sich ganz auf seine Lautfähigkeiten verlassen muss.
In Deutschland gibt es für das Vorschulalter standardisierte Screenings, die neben der phonologischen Bewusstheit auch das schnelle Benennen und das Kurzzeitgedächtnis prüfen, zum Beispiel das Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (BISC). Es wird im letzten Kita-Jahr eingesetzt, etwa zehn und vier Monate vor der Einschulung, als Einzeltest mit Aufgaben zu Reimen, Silben, Lauten, zum Nachsprechen ausgedachter Wörter und zum schnellen Benennen von Farben. Für Kinder mit mehreren Risikopunkten empfehlen die Autoren eine Förderung wie das Würzburger Training. Solche Screenings werden von geschulten Fachkräften eingesetzt. In der Schule kommen Lernstandserhebungen und Schultests hinzu. Wie eine vollständige Abklärung abläuft, wenn sich Schwierigkeiten verfestigen, beschreibt unser Ratgeber zur Legasthenie-Diagnose.
Eine Einschätzung zu Hause ersetzt keine Abklärung durch Fachleute, kann Ihnen aber zeigen, welche Ebene Sie üben sollten. Wenn Ihr Kind nach dem ersten Schulhalbjahr noch große Mühe mit Reimen und Silben hat oder drei Laute nicht zu einem Wort zusammenziehen kann, sprechen Sie mit der Lehrkraft über Ihre Beobachtungen.
Phonologische Bewusstheit im Alltag üben: kurz und regelmäßig
Wenig und oft wirkt besser als selten und lange. Fünf bis zehn Minuten an den meisten Tagen, eingebaut in Autofahrten, das Zähneputzen oder die Gute-Nacht-Zeit, bewirken mehr als eine Stunde am Sonntag. Bleiben Sie spielerisch: Ein Kind, das sich geprüft fühlt, rät, statt hinzuhören. Hören Sie auf, solange es noch Spaß macht.
- Laute sprechen, nicht Buchstabennamen: /m/ statt „Em“, /s/ statt „Es“. Laute kurz halten, also /b/ und nicht „Be“ oder „Bö“.
- Mit jüngeren Kindern Bilder oder Gegenstände nutzen, damit das Gedächtnis nicht die Arbeit macht.
- Zur nächsten Stufe gehen, wenn Ihr Kind etwa vier von fünf Aufgaben ohne Hilfe schafft.
- Laute mit Buchstaben verbinden, sobald das Zusammenziehen und Zerlegen sicher klappt. Eine Anlauttabelle mit Ton hilft beim Übergang.
- Dialekt ist kein Problem: Üben Sie mit der Aussprache, die Ihr Kind kennt, und achten Sie beim Schreiben auf die Schriftsprache.
- Wenn es trotz regelmäßigen Übens über Wochen kaum vorangeht, ist das eine wertvolle Information und kein Versagen.
Die Laut-Insel von Dyslexia Steps übt Reime und Anfangslaute mit deutschen Wörtern, die alle vorgesprochen werden; der Buchstaben-Wald verbindet danach Laute mit Buchstaben, und die Wörter-Werkstatt geht zum Zusammenziehen und Bauen von Wörtern über. Die ersten 5 Level jeder Welt sind mit einem kostenlosen Konto spielbar. Was jede Welt übt, zeigen die LRS-Spiele; einen Wochenplan für zu Hause finden Sie unter LRS-Förderung.











